Sanierung einer ehemaligen Flugzeughalle in der Gäubodenkaserne Feldkirchen

Auszeichnung mit Bayerischem Denkmalpflegepreis 2008 in Silber


Das Bundeswehr-Dienstleistungszentrum Bogen, die Gäubodenkaserne Feldkirchen und das Staatliche Bauamt Passau freuen sich über die Auszeichnung der Instandsetzung einer denkmalgeschützten ehemaligen Flugzeughalle in der Gäubodenkaserne mit dem Bayerischen Denkmalpflegepreis in Silber. Der Preis wurde 2008 erstmals von der Ingenieurekammer-Bau in Zusammenarbeit mit dem Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege ausgelobt. Aus rund 100 eingereichten Bewerbungen wählte die Jury acht Projekte aus und vergab in den Kategorien Öffentliche Bauwerke und Private Bauwerke je drei Preise und eine Anerkennung.

Innenansicht
Innenansicht
Innenansicht


Die Qualität der Sanierung der ehemaligen Flugzeughalle in der Gäubodenkaserne würdigte die Jury wie folgt:

„Die genaue Analyse des bestehenden Tragwerks der weit gespannten Fachwerkträger ermöglicht eine umfassende Reparatur der Holz-Fachwerkträger und den Einbau von kaum erkennbaren Stahlunterspannkonstruktionen, die den Gesamteindruck der originalen Konstruktion in keiner Weise beeinträchtigen. Die ingenieurtechnische Ertüchtigung des Dachtragwerks ermöglicht wieder eine uneingeschränkte Nutzung eines sonst nicht rettbaren Baudenkmals der neueren Zeitgeschichte.“

Die Flugzeughallen wurden im Zuge der Errichtung des Fliegerhorstes Straubing-Mitterharthausen in den 1930er Jahren als drei baugleiche Hangars für die dort stationierten Flugzeuge errichtet. Sie wurden im Krieg nicht zerstört und dienen in der heutigen „Gäubodenkaserne“ dem Lehrregiment Sanitätswesen als Lager und Stellfläche für Truppenfahrzeuge sowie als Materialumschlagszentrum des Bundeswehrdienstleis-tungszentrums Bogen. Die Hallen wirken von Außen eher unscheinbar, erst beim Betreten der Halle wird die eindrucksvolle Dachkonstruktion, die - ursprünglich stützenfrei - den ca. 36 x 106 m großen Innenraum überspannt, erlebbar. Wie bei Flugzeughallen üblich, war eine Längsseite vollständig mit einer Toranlage bestückt, um das schnellstmögliche Ein- und Ausrollen der Maschinen sicherzustellen. Daher hatte man die Zahl der Stützen auf dieser Längsseite auf zwei Stahlbetonstützen in den Drittelspunkten minimiert und setzte darauf zwei mächtige 36 m breite und annähernd 8 m hohe Holzfachwerkbögen. Diese beiden hölzernen Bögen dienten wiederum als Zwischenauflager für die in Längsrichtung spannenden dreiteiligen Fachwerkbinder, die als flach geneigte, symmetrische Satteldachkonstruktion mit First in Gebäudemitte ausgebildet sind. Die Verwendung filigraner Holzquerschnitte, die statisch hoch ausgelastet aber an keiner Stelle unterdimensioniert sind, raffiniert konstruierte unterschiedlichste Knotenausbildungen, wirtschaftlich eingesetzte Verbindungsmittel und die elegant gelöste Ableitung der hohen Windkräfte auf dem freien Rand des Torbinders zeugen von der hohen Qualität dieses frühen Ingenieurholzbaus, der beim Bau von drei Hallen hier in Serie ging.

2007 beauftragte das Staatliche Bauamt Passau das Ingenieurbüro Hans Siegmüller, Regensburg, mit der Planung der statischen Sicherung und Sanierung der zwischenzeilich teilweise einsturzgefährdeten Hallen. Im Zuge der Sanierung wurden die im Laufe der Jahrzehnte verformten, d. h. durchhängenden Bogenbinder - um ca. 50 cm angehoben - wieder in ihre ursprüngliche Lage zurückversetzt und insbesondere die Endpunkte der Bögen und Teile der Druckstreben erneuert. Zur Vermeidung not-wendiger Aufdoppelungen von Holzquerschnitten kamen Mehrfachschlitzbleche und Stabdübel zum Einsatz.


Bauherr: Bundesministerium der Verteidigung
   
Bauoberleitung und Projektsteuerung: Staatliches Bauamt Passau
   
Tragwerksplanung, Ausschreibung und Bauleitung: IB Hans Siegmüller, Regensburg
   
Baukosten: 980 000 Euro
   
Planungs- und Bauzeit: 09/2007 - 06/2008