Nationalpark Bayerischer Wald

"Sanierung der Themenhütten im Wildniscamp am Falkenstein"


Das am Fuße des Falkensteins gelegene Wildniscamp wurde im Jahr 2001 fertiggestellt und dient der Nationalparkverwaltung Bayerischer Wald als umweltpädagogische Einrichtung. Die Liegenschaft bestand ursprünglich aus einem Zentralgebäude als Herz der Anlage, in welchem die notwendigen Verwaltungs- und Nebenräume, Küche, Speisesaal und Übernachtungsräume für Schlechtwetter untergebracht sind. Hinzu kommen sechs sogenannte Themenhütten (Baumhaus, Wiesenbett, Waldzelt, Erdhöhle, Wasserhaus und Lichtstern), in welchen Jugendliche während ihren Aufenthaltes übernachten sowie eine Sommerküche für den Zeltplatzbetrieb. In den Jahren 2006/07 wurden von der Nationalparkverwaltung im Rahmen des Projektes „Mensch und Wildnis“ auf dem Gelände noch zusätzliche Hütten indigener und traditioneller Bewohner von Nationalparken verschiedener Erdteile auf dem Zeltplatz des Wildniscamps errichtet (sogenannte „Länderhütten“). Wegen der sehr exponierten Lage des Wildniscamps ergaben sich bedingt durch die extreme Bewitterung in den letzten Jahren zum Teil erhebliche Schäden an einzelnen Themenhütten. Insbesondere an der Erdhöhle und am Baumhaus mussten umfangreiche Sanierungs- bzw. Erneuerungsmaßnahmen durchgeführt werden

Erneuerung der Erdhöhle:


Aufgrund einer umfassenden Schädigung (Wassereintritt, Holzfäulnis) der Trag- und Hüllkonstruktion entschied man sich im Jahr 2010 in Abstimmung mit der Nationalparkverwaltung für einen Abbruch und eine Rekonstruktion der Erdhöhle.
  Im Hinblick auf einen dauerhaften konstruktiven Holzschutz und zum sicheren Schutz der Massivholzkonstruktion vor Wassereintritt sowie tierischen und pflanzlichen Schädlingen wurde besonders auf eine funktionierende flächige Bauwerkshinterlüftung und eine mehrlagige und mehrteilige Dachabdichtung geachtet.

Die Belichtung der Erdhöhle und die Entrauchung des mittig angeordneten Holzofens erfolgt über eine im Firstbereich angeordnete verglaste Metallrahmenkonstruktion. Zudem wurde der Eingangsbereich in Anlehnung an das Hauptdach tonnenförmig überdacht sowie ein Notausgang geschaffen. Wesentliches Bauteil der Rekonstruktion ist die innere Hülle aus segmentartig und übereinander kreuzförmig angeordneten Massivhölzern in verschiedenen Lagestärken, neu gelagert auf dem vorhandenen Stahlbetonfundament.

Maßnahmen im Baumhaus:

Die Erschließung des im stark abfallenden Gelände (Waldbereich) stehenden Baumhauses erfolgte bisher über eine Holzbrücke, die mittels Schrägstützen mehrfach abgeständert war. Wegen der extremen Bewitterung war die Zugangsbrücke bereits nach 10 Jahren so stark geschädigt, dass man sich im Jahr 2011 für den vollständigen Abbruch und eine Neukonstruktion entschied. Aufgrund des rauen Klimas wurden bei der Neuplanung neben architektonischen und sicherheitstechnischen Gesichtspunkten auch insbesondere der konstruktive Holzschutz berücksichtigt.
 

Die schwebende Wirkung des neuen, jetzt überdachten Laufsteges wird vor allem durch dessen Rückverankerung in die Konstruktion des Pylons mittels filigranen Stahlseilen erzielt. Die Dachkonstruktion selbst, bestehend aus den zwei zweiteiligen Längsträgern aus Brettschichtholz und einem mehrfach abgeständerten flachen Satteldach, ist wiederum mittels Stahlseilen sechsfach an einem hölzernen Fachwerkturm aufgehängt. Der räumlich ausgesteifte ca. 12 Meter hohe Fachwerkturm ist im Viertelspunkt zwischen Zugang und Baumhaus angeordnet, nimmt damit nahezu sämtliche Lasten der Brückenkonstruktion auf und lastet diese in ein neu erstelltes Stahlbetoneinzelfundament ab. Die flächige Absturzsicherung auf beiden Seiten des Laufsteges erfolgt durch eigens gefertigte und der Konstruktion angepasste Schutznetze aus spiralgeflochtenen 10 mm starken Kunststoffseilen.
 

Somit hat das Baumhaus jetzt eine überdachte, hölzerne Zugangskonstruktion erhalten, die durch das Fehlen des Handlaufes ein leichtes, filigranes Erscheinungsbild eines „Kranes“ erhalten hat, welches durch das Schwingen des Steges noch verstärkt wird. Im Nachgang zur neu erstellten Zugangsbrücke mußten auch Teile der Tragkonstruktion erneuert werden. Insbesondere die völlig zerstörten schräg nach außen gestellten Abstei-fungsstützen waren vollständig auszuwechseln. Aus Gründen der Dauerhaftigkeit kamen dabei Douglasienstämme zum Einsatz, die mit schräg gestellten „Opferbrettern“ konstruktiv verschalt wurden.

Brandschutzmaßnahmen:

Im Zuge der Sanierungsmaßnahmen wurde die weitläufige Anlage des Wildniscampes (auch alle Themen- und Länderhütten) mit einer flächendeckenden Brandmeldeanlage und einer Sicherheitsbeleuchtung nachgerüstet.

Planungsbeteiligte:  
Bauherr: Freistaat Bayern
Bayerisches Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz
Nutzer: Nationalpark Bayerischer Wald
Projektleitung: Staatliches Bauamt Passau
Planung, Bauleitung, Statik und SiGeKo: IB Siegmüller, Regensburg
Fachplanung Elektro: IB Nigl & Mader, Passau
   
Kosten und Termine:
"Sanierung der Themenhütten und Brandschutzmaßnahmen"
Gesamtbaukosten: 690 000 Euro
Bauzeit: Mai 2010 - Dezember 2013
Fotos: Marcel Peda, Passau
© 2013