B 533; Holzbrücke Ahornöd

Die Vorgaben für die Konstruktion waren:

ein für die Fremdenverkehrsregion Nationalpark Bayer. Wald gestalterisch ansprechendes Bau-
werk zu errichten
den heimischen Baustoff Holz zu verwenden, der sich gut in die Landschaft einpasst
eine hochwertige Abdichtung der Holztragkonstruktion und
eine einfache Auswechselbarkeit der Verschleißteile (Stecksystem) zu erreichen

Für die geschützten Tragwerksteile (Pylon, Längs- und Querträger) kam Brettschichtholz zur Ausführung, die freibewitterten Bauteile (Wetterschenkel, Schrammbord, Geländerpfosten und Handlauf) sind aus Massivholz (Eiche).
Das Tragwerk besteht aus 2 Brettschichtholzlängsträgern, die etwa in den Viertelspunkten von Stahlquerträgern durchdrungen sind. Die Querträgerkräfte werden über Zugstangen in den schrägen A-Pylon geleitet, dieser ist über Zugstangen von einem Blockfundament gehalten. Die Fußpunkte des Pylons sind gelenkig gelagert.

Auf die beiden Längsträger sind im Abstand von 35 cm die Querträger montiert, sie tragen die Fahrbahnplatte aus Furnierschichtholz (FSH). Querträger und Fahrbahnplatte übernehmen die Verteilung der Radlasten, sie dienen als Scheibe der Queraussteifung.
Die Abdichtung der Tragwerksebene besteht aus 2-lagigen Bitumenbahnen, als Gehwegbelag wurde Granitpflaster im Splittbett verlegt, die Fugen sind mit Bitumenguss verfüllt.

Die wesentlichen Bauteile haben folgende Abmessungen:

Längsträger: Brettschichtholz (BSH) 40 x 60 cm
Querträger: BSH 16 x 19 cm
Fahrbahnplatte: Furnierschichtholz (FSH) d = 57 mm
Pylon konisch rund: BSH d = 46/68 cm, h = 15,0 m
Seilabspannung Anker: d = 2 1/4 Zoll
Stahlquerträger (für Seilabspannungen): d = 350 mm

Ansicht Brücke


Beim Holzbrückenbau ist die Lebensdauer der Brücken wesentlich von der Wirksamkeit des konstruktiven Holzschutzes, insbesondere Abdichtung, Entwässerung und Bekleidungen mit Hinterlüftung, abhängig.
Die Dauerhaftigkeit der Holzbrücke gewährleistet anstelle eines herkömmlichen Daches eine wirkungsvolle Abdichtung über der Tragwerksebene.
Sämtliche Bauteile der Tragwerksebene sind abgedeckt, gemäß des Vorschlags der neuen Ablöserichtlinie, die die Deutsche Gesellschaft für Holzforschung (DGfH) 2006 erarbeitet hat, liegt ein geschütztes Bauwerk vor.
Die Abdichtung der Tragkonstruktion mit den FSH-Platten und den 2-lagigen Bitumenbahnen entsprechen weitgehend der Abdichtung gemäß ZTV-Bel aus dem Massivbrückenbau.
Die Querträgerstirnseiten und die Längsträger werden durch den geneigten Wetterschenkel vor Witterungseinflüssen geschützt.
Die konisch gedrechselten, schrägstehenden Brettschichtholzpylone sind auf der Wetterseite mit innenbelüfteten rot eingefärbten Aluminiumblechen abgedeckt. Zur Strukturierung und für die Sicherung von abgeleitetem Schnee sind Holzleisten angebracht. Auch der Pylonkopf ist durch eine Blechhaube geschützt.
Um das Oberflächenwasser vom Gehwegbereich rasch abzuführen, ist das Quergefälle zur Brückenmitte ausgebildet, Sickerwasser wird über insgesamt 8 Tropftüllen zur Längsleitung unter der Brücke und zu den Widerlagern abgeführt.

Beim Bau wurde der Brückenüberbau von der Fa. Großmann, Rosenheim, im Werk vorgefertigt.
Nach dem Transport zur Baustelle nach Freyung wurde er, durch Seile gesichert, auf die Widerlager (Baudurchführung Fa. Pfaffinger, Passau) abgesenkt, anschließend wurde der Pylon aufgestellt, die Abspannseile montiert, sowie der Belag und das Geländer erstellt.
Die Baukosten lagen bei rd. 240.000,- €.
 
Unterhaltung:
Nach rd. 8 Jahren Standzeit wurden an der Brücke keinerlei Unterhaltungsarbeiten notwendig. Für 2007 ist lediglich die Erneuerung des Farbanstriches (Kosten etwa 4-5.000,- €) vorgesehen.
Nach den von der DGfH vorgeschlagenen Ablöserichtlinien liegt die theoretische Nutzungsdauer für geschützte Geh- und Radwegbrücken bei 80 Jahren, die jährlichen Unterhaltungskosten p [%] bei 1,0.

Für die Geh- und Radwegbrücke Ahornöd liegen jährliche Unterhaltskosten (auf die Gesamtkosten bezogen) in Höhe von 2.400 €/a im Toleranzbereich.
Die tatsächlich angefallenen Unterhaltskosten liegen nach dem Farbanstrich auf 10 Jahre bezogen bei ca. 500 €/a (tatsächlich p=0,2 %).
 
Schlussbetrachtung:
Die Erfahrungen aus dem Massivbrückenbau hinsichtlich Abdichtung und Entwässerung sind weitgehend auf den Holzbrückenbau übertragbar.

Durch den Schutz der tragenden Konstruktionsteile, gegebenenfalls mit Hinterlüftung, und einer wirkungsvollen Abdichtung und Entwässerung sind dauerhafte Bauwerke erreichbar, die die Nutzungsdauer gemäß Ablöserichtlinien (80 Jahre) erreichen können und bei den jährlichen Unterhaltskosten in etwa im Bereich von Massivbrücken liegen.

Wichtige Ziele des konstruktiven Ingenieurbaues – Gestaltung, Kosten und Dauerhaftigkeit – können mit Holzbrücken erreicht werden.